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Platten-, CD- und Konzertkritiken

Captain Trip - Neues aus Japan

Blue Cheer : Hello Tokyo, Bye Bye Osaka (11 Titel, 74 Minuten)

The Deviants : Barbarian Prices (11 Titel, 61 Minuten)

Underground Radio Show : Brown'Nose (24 Titel, 56 Minuten)

alle: Captain Trip Records/45/Indigo

Reichlich neuer Livestoff von den Vorläufern der zahllosen Stonerrock-Truppen, die heute Schlagzeilen machen, Fu Manchu und Co haben mit Sicherheit auch einiges von den alten Helden Blue Cheer in ihrem Plattenschrank, hoffentlich noch als Vinyl.
Blue Cheer sind 1999 in Japan in der Besetzung Dickie Peterson (b, voc), Andrew Duck Mac Donald (g) und Paul Whaley (d) aufgelaufen und präsentieren sich mit ihrem harten Mattenschwingersound den kurzhaarigen Japanern in absoluter Topform. Diesmal ist auch die Aufnahmequalität, die bei Paterson's Solotrip Tramp doch etwas zu wünschen übrig lies, ansprechend. Klar, das The Hunter und Summertime Blues Konzertpflicht waren, die Highlights setzen aber die in allen Ohren kratzenden acht Minuten des rostigen Nagels Ride With Me (Year, welch ein Solo Mr. Mac Donald !) und vor allem die satten 18 Minuten Doctor Please, mit unüberhörbaren Referenzen an Jimi unseren Hendrix, scheint so, als hätte der sich vom Himmel hoch mit auf die Bühne geschlichen, um Mac im Wildpferdwiehern seiner Gitarre zu unterrichten, schlicht und einfach gigantisch.


deviants.pgPolitschwangerer Underground war die Sache der Deviants, deren drei Alben aus den Jahren 1968 1969 sich auch heute noch in Insiderkreisen großer Beliebtheit erfreuen. Der grosse Durchbruch blieb allerdings aus, die erste Auflösung kam früh, entsprechend mäßig ist ihr Bekanntheitsgrad. Mick Farren setzte noch mit seinem Solowerk Mona einige Akzente und erregte mit seinem öffentlichen eintreten für eine britische Revolution einiges Aufsehen. Aber was gut ist kommt wieder, die hier vorliegenden Aufnahmen stammen nicht aus den Antiquariat.

Die Deviants des mitgeschnittenen Liveauftritts in Japan leben neben Farren's stimmlich-lässiger, gesangsähnlicher Vorträge vor allem von Andy Colquhoun's aggressiven, glänzenden Gitarrenspiel. Im Gepäck der Tour sind zahlreiche Stücke, die unter seiner Beteiligung entstanden sind, aber auch Doug Lunn am Bass und Drummer Ric Parnell sind keine Anfänger. So wird auf Barbarian Princes nicht nur im Underground gewühlt, sondern auch ein gehöriges Stück edelsten Gitarrenrocks dokumentiert, der sicher für breitere Hörerkreise interessant sein dürfte. Wer die Möglichkeit hat, der höre mal rein.
Eine vorherige akustische Kontrolle ist auch bei der Underground Radio Show dringend anzuraten, einer ganz verrückten Scheibe mit einem Cocktail aus Zappa, Turtles, Beach Boys und Beatles, paniert auch mal mit Tuba, Strohhalmblubbern, Xylophon, Abschnarcherei oder Banjo. Da klingt jeder Ton vertraut, jedenfalls für die Geburtsjahrgänge zwischen 1950 und 1960. Sowas kann für manche Fun sein, für viele ist das absoluter Terror, mir gefällts, aber trotzdem, Vorsicht.captain1.jpg

captain2.jpgEinen kleinen Gag als Nachschlag haben wir noch, den flotten Dreier namens Mama Guitar mit Iris (b), Yoko (d) und Jun (g), singen können alle drei. Das ebenfalls bei Captain Trip erschienen Album "introducing" (13 Titel, 30 Minuten) rauscht in einer halben Stunde förmlich nur so an einem vorbei und strotzt nur so vor sympathischen Rock'n'Roll der alten Schule als Eigenkompositionen, dazu ein paar Cover, u.a. Lulu's Top-Hit Shout und den Kinks-Klassiker Cadillac.

Falls die Suchmaschine nichts ausspuckt, wendet Euch vertrauensvoll an 45, Schmiedetwiete 6, 23898 Labens, Fax : 04536-8799, der freundliche Piet behebt alle Versorgungsschwierigkeiten.

Dieter Löckener

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