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Schnipsel

Nikola Hahn - Die Wassermühle

Eine Besprechung von Dieter Löckener

Es gibt Tage, da dürstet es einen förmlich nach federleichter Lektüre, genau an einem solchen muß ich an die Wassermühle geraten sein. Die Story ist einfach gestrickt, immer richtig, wenn an Regentagen mal so richtig dranrunter gelesen werden soll, übernehmen wird sich dabei keiner. Völlig unproblematisch sind außerdem mehrwöchige Pausen, ruck zuck kehrt auf wundersame Weise das komplette Erinnerungsvermögen ans Gelesene zurück.

Da ist die gute Hedi, schwer schuftende Hausfrau, Mutter und Krankenschwester in Person. Hart wird ihr mitgespielt, geschlagen mit nicht aufräumenden und abspülenden, technohörenden Gören, Kolleginnen die faul sind und ständig krankfeiern und einem Gatten, der als Polizist natürlich ständigTheater mit seinen Vorgesetzen hat.
Für ein wenig Sonnenschein sorgt lediglich eine alte Tante samt heiß geliebter Wassermühle, ansonsten bleibt wenig Zeit für eigene Interessen. Aber keine Bange, bald wird wieder getöpfert, denn Malerin Vivienne taucht wie aus dem Nichts auf, die ihr in früher Jugendzeit einen Verehrer ausgespannt hat.

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Nun geht es rund, denn die lebensfreudige Künstlerin sorgt geschickt dafür, dass die brave Hedi mit ihr zusammen in die abrissreife, inzwischen geerbte Mühle zieht, die Restfamilie bleibt zurück. Ab sofort kommt es wie es kommen muß, Hedi lernt durch Vivienne, die eifrig das Ererbte Bare durchbringt, einen geilen Prommi kennen während dem heimischen Polizisten eine reizende Kollegin in den Streifenwagen plaziert wird. Da das aber immer noch nicht für satte 650 Seiten reicht, wird das unsympathische Prinzesschen eingebaut, später ein echter Engel, Hedis Schwiegermutter meldet sich zu Wort, ein Sturm fegt über die marode Mühle und der Polizistenbruder, ausgestattet mit der Lizenz zum fremdgehen und einem Sohn in der Art einer wandelnden Abrissbirne sorgen wie Courths-Mahler Einschübe neben künstlerisch wertvollen Zitaten für Abwechslung.
Damit sei genug verraten, immerhin habe ich das Buch bis zum erwarteten Ende durchgeackert, nur um mir beim abschließenden "PS" der Autorin einen gnadenlosen Tiefschlag einzuhandeln. Warum habe ich Ahnungsloser nicht gemerkt, dass es sich bei Der Wassermühle in Wahrheit um eine grandiose Satire der allerfeinsten Art handelt. Den Beweis dazu liefert augen- und geistöffnend dieser Originalauszug :

"...so verhehle ich nicht, daß ich mich ausgiebig durch diverse Moderne Frauenromane geschmökert habe, was zugegebenermaßen nicht immer ein Vergnügen war"

Dem fügen wir mal nichts hinzu.

Ullstein Verlag
652 Seiten
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