Schnipsel

 

noch 'n paar aphorismen:

"besser bist böse"

von Werner Friebel

 


Damit eine menschliche Gesellschaft nicht degeneriert, braucht sie nicht nur genetische, sondern auch kulturelle Vielfalt.

W.F.


Aus der Postille des Schriftstellerverbands sabbert die Bedeutungsgeilheit ihrer Herausgeber.

W.F.


Es geht nur langsam voran, denn zu viele gute Ideen verkokeln funkenfrei im kalten Neid des Bildungsproletariats.

W.F.


Jeder ist für den Anderen sowohl Spiegel des Subjekts wie auch Objekt der Bespiegelung.

W.F.


Gute Literaturkritik ist immer auch Philosophie.
Und jede Philosophie, die sich einer Interpretation der Welt annimmt, ist immer auch Literaturkritik.

W.F.


Ernsthaftigkeit und Ironie sind ein sich dialektisch umtanzendes Pärchen.

W.F.


Zu den unangenehmeren der antropologischen Konstanten gehört die Diskrepanz zwischen Geltungsanspruch und Kompetenz - auch als 'Journalisten-Gen' bekannt.

W.F.


Manche Philosophen ähneln dem Schachspieler, der alle Möglichkeiten zu durchdenken versucht, den Plan nicht findet und schließlich auf Zeit verliert.

W.F.


Wer glaubt, die Philosophie solle Wahrheiten verkünden, hat schon den Begriff nicht verstanden - denn in der Liebe zur Weisheit wird jede Wahrheit zu einer Chimäre.

W.F.


Da erst das (gelegentliche) Inhumane des singulären subjektiven Denkens den Mensch zum Menschen macht, ist jede Philosophie mit dem Geltungsanspruch eines humanistischen Universalismus unmenschlich.

W.F.


Der Geistesmensch hat drei Lebensphasen: das Pathos der Jugend, die Ironie der 'besten Jahre' und den Zynismus des Alters.

W.F.


Wessen Worte keine Schatten werfen, dessen Rede fehlt das Licht.

W.F.


Ja, Worte können Kerker spalten - aber auch errichten.

W.F.


Erstaunlich, dass sich manch Einer geehrt fühlt, wenn er als 'Unbeirrbarer' bezeichnet wird.

Variante:

Erstaunlich, dass sich manch Einer gelobt fühlt, wenn man seinen Lebensweg als 'geradlinig' bezeichnet.

W.F.


Je weniger du weißt, desto weniger kannst du dir vorstellen, wie wenig du weißt.

W.F.


Für ein gutes Gespräch ist weniger wichtig, über WAS man sich unterhält als WIE.

W.F.


Es gibt erstaunlich Viele, die nicht begreifen, dass sie einfach nur Teil einer Versuchsanordnung der Evolution sind.

...und den Meisten merkt man schon jetzt ihre Mitschuld an einem möglichen Scheitern man.

W.F.


Die Vorstands-Postille des Schriftstellerverbands strotzte wie immer vor Gier nach Bedeutung der Herausgeber.

W.F.


"Provinz" ist nicht eine geographisch lokalisierbare Region, sondern ein armseliger Geisteszustand.

W.F.


Die beste Voraussetzung zum Philosophieren ist mehrmaliges vorheriges Scheitern im Lebensplan.

W.F.


Zwar bin ich ein genauso kümmerlicher Wicht wie du, doch im Unterschied zu dir weiß ich es.

W.F.


Was die Spatzen von den Dächern pfeifen, interessiert mich nicht.
Kommt's ja doch aus Spatzenhirnen.

W.F.


Manch Einem kreisen die Fliegen schon ums Maul, bevor er's aufmacht.

W.F.


Die Kontingenz unserer Wahrnehmung führt schnurstracks in die Absurdität unseres Denkens.

W.F.


Ironie macht das Leiden an der existenziellen Absurdität etwas erträglicher.

W.F.


Die letzten originären Aphoristiker waren bekanntlich die Schweizer Bergbauern des 19. Jahrhunderts, Friedrich Nietzsche und Ludwig Hohl - seither gibts nur noch zeitgeistige Modifikationen.

W.F.


Nur wer den Mut hat, sich auslachen zu lassen, kann mit vollem Risiko denken.

W.F.


Und auf die naheliegende Frage, wie sich's in der 'Provinz' denn kultur- und lebenstechnisch überhaupt aushalten ließe: Egal, ob auf'm stolzen Land oder in der eitlen Stadt, man hat ja gleichermaßen zu 90% mit Grenzdebilen zu tun - und die lassen sich mit einem guten Stückerl Natur drumrum einfach leichter ertragen ...

W.F.


Und die am Rad drehen sind in den Augen der Kleingeister deshalb gefährlich, weil sie etwas verändern könnten.

W.F.


Wer seinen Müll nicht sieht, kann ihn auch nicht entsorgen.

W.F.


Wer jammert, hat schon verloren.

W.F.


Das Gelbe vom Ei ist leider oft salmonellenverseucht.

W.F.


Es ist immer verführerisch und gefährlich zugleich,
Gedankengebäude in seinem eigenen Hirn aufzustellen,
von denen man glaubt, sie seien Erdbeben-sicher.

W.F.


Wer nicht mit dem Zeitgeist läuft kriegt auch keinen Muskelkater.

W.F.


Der gemeine Journalist wünscht sich nichts mehr als dass man seine Deutungshoheit anerkenne.

W.F.


Kritikerlos

Wenn man genau hinsieht, sind sie meistens ganz niedlich, die kleinen Kläffer am Zaun ihres geistigen Vorgartens. Bemitleidenswert harmlose Hündchen, weil sie bei aller Hopserei nicht drüber kommen - und wenn sie doch mal ein Loch im Zaun finden, reichts höchstens zum Wadlbeißen.

W.F.


Aber ich bin doch optimistisch, was die Weiterentwicklung der Menschheit anbelangt.
So scheint mir der Anteil der Idioten in den letzten 20 Jahren von 96% auf 95% zurückgegangen zu sein.

W.F.


Die Idioten haben immerhin Recht, wenn sie sich brüsten, in der Mehrheit zu sein.

W.F.


Die Meisten umschwirren mottenverloren nur ihr eigenes trüb schimmerndes Lichtlein.

W.F.


Unsterblichkeit wäre die Höchststrafe für das menschliche Dasein.

W.F.


Es ist kein gelungenes 'Intelligent Design', wenn die Natur zwar das Wunder des Lebens erschafft, aber offenbar keinerlei Respekt davor hat.

W.F.


Das Leben ist so lang eine Kette von narzisstischen Kränkungen, bis du das Festhalten an der herausragenden Bedeutung deines Ego aufgegeben hast.

W.F.


Wenn sich der Erfolg von Bildungspolitik an der Zahl ausgebildeter Erbsenzähler mit unterkomplexen Weltanschauungen bemisst, wird die Verwaltung gesellschaftlicher Monokulturen freilich einfacher.

W.F.


Gutes Kabarett ist, wenn dir's Lachen im Hals stecken bleibt.

W.F.


Sogar die meisten Deutschlehrer halten Wittgenstein für einen Schweizer Alpengipfel.

W.F.


Die Philosophie ist in Zeiten postmoderner Beliebigkeit die einzige übriggebliebene Subkultur, weil nur sie von einer nicht kommerzialisierbaren Minderheit betrieben wird.

W.F.


Den intentionalen Zusammenhang von Gedanken und Gefühlen kann von allen Künsten allein die feinere Literatur erhellen.

W.F.


Auch die heute sogenannte "anspruchsvolle" Literatur wird großteils für Leute verlegt, deren Assoziationsweite von ihrer geistigen Vorgartenhecke begrenzt ist.

W.F.


'Comedy' ist deshalb so erfolgreich, weil sie die semantische Erwartungshaltung des Durchschnittsglotzers immer erfüllt.

W.F.


Wer sich bei grobschlächtiger 'Comedy' wohlfühlt, ist für die feinere Satire verloren.

W.F.


Es wird ja von fast jederman respektvoll anerkannt, wenn einer hervorragend ein Musikinstrument oder Schach spielt oder U-Boote bauen kann; wehe aber einer kann wirklich gut denken...

W.F.


Dass der Mensch von seinem Ego besessen und demzufolge eitel ist, hindert ihn an der Erkenntnis, dass ebendieses Ego nur ein ständig neu emergierendes und vergängliches Destillat der 'Bedingten Existenz' ist.

W.F.


Gelassenheit, vor allem in Form zeitgeistiger Coolness, kann auch ein Ausdruck der Dumpfheit sein.

W.F.


Auch in thematisch anspruchsvolleren Internet-Foren tummeln sich hauptsächlich Schwätzer und Hauptseminaristen.

W.F.


Besser eine hat Haare auf den Zähnen als Fusseln am Maul.

W.F.


Kitsch ist der schleimig-eklige Blubberschaum auf dem Wellengang der Gefühle.

W.F.


Ein boshafter Aphorismus kann nur einem einfallen, der die Menschen liebt.

W.F.


Wer liebt, der straft.

Aristoteles

Umgekehrt gilt das nur selten.

W.F.


α-Tierchen entwickeln sich am besten in einer Masse aus β-Bakterien und γ-Würmchen.

W.F.

Nebenbei bemerkt: Der Unsinn der neurobiologischen Determiniertheit unseres Bewusstseins zeigt sich u.A. darin, dass alle drei Arten unter gleichen Bedingungen in derselben Petrischale gedeihen.

W.F.


Wenn das junge Bewusstsein auf der neuronalen Tastatur zu klimpern anfängt, hängt es wesentlich vom Lehrer ab, welche Melodien es im Lauf des Lebens zu komponieren und spielen vermag.

W.F.


Die Leute reden deshalb so gern übers Wetter, weil da jeder individuelle Betroffenheit äußern kann ohne sich irgendeiner Gesinnung verdächtig zu machen.

W.F.


Pappnasen sollten ausserhalb der Faschingszeit in ihrer Schachtel bleiben.

W.F.


Die Menschen unterscheiden sich durch nichts so sehr
wie durch die Art ihres Humors.

W.F.


Der ist schon ein einmaliger Humorist,
der die eigenen Witze
als einziger versteht.

W.F.


Aus dem Schulunterricht:

Stell dir vor, deine Kinder würden im Fach Sozialkunde mit einer Weltanschauung erzogen, in der die schicksalsgegebene Überlegenheit der arischen Rasse und die Vernichtung von Ausländern und Juden gepredigt wird.
Nicht einverstanden?
Dann stell dir vor, deine Kinder werden in einem anderen Fach mit einer Weltanschauung erzogen, die im Namen irgendwelcher langhaariger, am Himmel schwebender blonder Trolle und omnipotenter Geister jahrhundertelang Lügen erzählt, Frauen unterdrückt, Andersgäubige gemetzelt und milliardenschwere Raubgüter angehäuft hat...

W.F.


Der historische Unterschied zwischen islamistischen und katholischen Fundamentalisten ist der, dass Letztere 100mal mehr Menschenleben auf ihrem gottgefälligen Konto haben.

W.F.


Für Mathe-Freunde:
Im Wesentlichen stimme ich Arno Schmidt's Vermutung zu, dass sich die Anzahl der Kulturträger einer Nation aus der dritten Wurzel der Bevölkerungszahl ergäbe - nur würde ich aus rein humanitären Erwägungen dieser Kleinmenge noch einen Elfenbeinturm-Zuschlag von 10% zugestehen.

W.F.


Da doch nur 0,1 Prozent was von den Feinheiten des Schach verstehen, warum sollte es in der Literatur anders sein?

W.F.


Auch ohne Kenntnis von Goethe und Mann lässt sich's vielleicht schreiben; nicht aber ohne Proust und Hohl.

W.F.


Beim Menschen ist es wie bei den Raben und manch anderen höherentwickelten Tieren:
Einige Wenige können ihr Bild im Spiegel erkennen.

W.F.


Bairischer Kommunalwahlkampf

Wenn ein Politiker versichert, dass der "Glaube" fester Bestandteil seines Lebens sei, steht zu befürchten, dass dieser auch die memetische Grundlage seiner politischen Entscheidungen ist.

W.F.


Bundestagsdebatten

Wer nichts zur Weiterentwicklung konstruktiver Meme beitragen will, sollte besser 's Maul halten.

W.F.


Demokratie könnte eine sinnvolle Gesellschaftsform sein, wenn Alle über etwa gleiche geistige Ressourcen verfügten.

W.F.

Variante:
Das größte Hindernis für die Demokratie ist die Erbsünde - also die geistige Trägheit, Egomanie und Unbewusste Inkompetenz.

W.F.

aber:
Die Missachtung von Anders-Denkenden wäre freilich unerträglich...

W.F.


Von den momentan realisierbaren Gesellschaftsformen ist die Demokratie das geringste aller Übel.

W.F.


Es ist schon gut so, dass in unserer 'Demokratie' das 'Volk' keine wirkliche Macht hat; sonst gäbe es nicht mal mehr diesen Rest an öffentlicher geistiger Bewegungsfreiheit.

W.F.


Kunst ist keine demokratische Veranstaltung.

W.F.


Kunst, speziell Literatur,

drückt aus, was sich der phänomenologischen, kausalen und deterministischen Beschreibbarkeit durch Philosophie und Psychologie entzieht: die subjektive Intentionalität und ontologische Singularität eines durch unendlich vernetzte Bedingungen entstandenen emergenten Bewusstseins.

W.F.


Kapitalismus ist eine irrationale,
Kommunismus eine unmögliche,
Religion eine verdummende,
Monarchie eine arrogante,
Demokratie eine pöbelhafte,
Anarchie unsere zukünftige
Gesellschaftsform

W.F.

Noch brauchen wir Gesetze, die auf gesellschaftlichen Moralvorstellungen und zweifelhaften Übereinkünften gründen, weil zu Wenige eine selbstbestimmte Ethik kraft ihrer Vernunft und ihres partizipatorischen Denkens entwickeln können.

W.F.


Manch einer hält sich schon für schlau, wenn er sich ein Weltbild aus Vermutungen zusammenbastelt.

W.F.

Variante:
Mein Vorurteil gegenüber den meisten Menschen ist die Vermutung, jene würden sich ihr Weltbild aus Vorurteilen und Vermutungen zusammenbasteln.

W.F.


Herr Kleingeist und Herr Größenwahn saßen sich wie gewohnt gegenüber und blickten einander wohlgefällig an - im Spiegel.

W.F.

 
stud. phil., leicht angetrunken:

Nach einem platonischen Schoppen Hauer-Rousseau zum Leibniz-Keks heideggert er, völlig nietzsche unter der humigen Fichte, den steinernen Wittgen aus dem kantigen, lichten Berg.

W.F.


Wo aber Philosophie ist, wächst das Rettende auch...

W.F. (frei nach H.)

... denn Sein ist Werden

Heraklit (frei vor Fromm)

Variante:

Die gesamte Evolution ist der Versuch Gottes,
sich selber wieder zusammenzupuzzeln.

W.F.


Krieg ist nicht der Vater, Neugier aber die Mutter aller Dinge.

W.F.


Die verbale Verwandlung eines echten oder vermuteten Ereignisses in pure Fiktion nennt man Klatsch.

W.F.


Das Reale und die Wirklichkeit (für L.H.)
Wer den Unterschied zwischen der Wirklichkeit und dem Realen nicht kennt, ist am Stammtisch besser aufgehoben als am Schreibtisch.

W.F.

Variante:
Gerade als der Klugscheißer dem Kneipenwirt und einem trunkenen Gast den Unterschied zwischen der 'Wirklichkeit' und dem 'Realen' erklären wollte, fiel dem Säufer versehentlich das Bierglas zu Boden. Darob ergriff den Wirt ein mächtiger Zorn, den Trinker die glotzende Scham und den Schwätzer der geifernde Spott.
Du aber in deiner Ecke nahmst kurz den Blick aus den 'Notizen' und lachtest.

W.F.


Nirgendwo klaffen Einbildung und Wirklichkeit weiter auseinander als bei Kaffeehaus-Schachspielern, Lagerfeuer-Gitarristen und Elfenbeinturm-Literaten.

W.F.


Nachsicht
Jugendliche leiden unter einem natürlichen hormonbedingten Konkurrenzdenken, in dem das pfauige Ego in vergleichendem Dünkel ständig laut "Hier!" brüllen muss.

W.F.


Wenn ein Junger zu einem komplexen Sachverhalt eine klar verständliche Aussage macht, wirft man ihm Simplifizierung vor - tut ein Alter dasselbe, gilt das meist als weise Summierung seiner Erkenntnis.

W.F.


Du kannst einem Denkzwerg nicht vermitteln, dass er ein solcher ist, weil ihm einfach die notwendige Größe der Einsicht dazu fehlt.

W.F.


Mich ergreift jedesmal die Scham, wenn jemand mir in einer Sache Halbwissen unterstellt - ein solches Götter-Lob ist unverdient, da's doch kein Mensch bisher zum Zehntelwissen brachte.

W.F.


Eine der schwierigsten Lebenskünste ist, sich mit dem Bewusstsein des Wenig-Wissens einigermaßen anständig einzurichten.

W.F.


Das Mühseligste sind Gespräche mit Leuten, die nur über unterkomplexe Landkarten verfügen.

W.F.

Variante:
Wer mit unterkomplexen Weltanschauungen durchs Leben kriecht, für den sind die Krümel vor der Nase schon Berge.

W.F.


Schweigen ist das wirkungsvollste und infamste aller Gifte.

W.F.


Kürzlich von einem Bekannten gefragt, ob mir denn bei all dem abendlichen Studieren nicht manchmal die Decke auf den Kopf falle, antwortete ich wahrheitsgemäß, daß es über meinem Kopf nichts wesentlich Gewichtigeres mehr gäbe.

W.F.


Tiefbohrungen in der Seele eines Menschen fördern in den meisten Fällen zu Tage:
Schmutziges Gestein und fossile Überreste, die zuwenig Druck ausgesetzt waren, um zu Diamanten zu werden.

W.F.


Wenn einer schon die bürgerlichen Moral- und Wertvorstellungen ganz bequem zur Grundlage seiner eigenen Ethik macht, sollte er zumindest auf eines verzichten - das Kinderkriegen.

W.F.


Die Buddhisten haben die Grenze der Toleranz definiert, als man ihre Klöster abfackeln wollte und sie den Kampfsport erfanden.

W.F.


Der Dalai Lama hat mit der Buddhistischen Philosophie so viel am Hut wie der Papst mit der Aufklärung.

W.F.


Unter 'Buddhismus' kann man sich zwar auch allerlei Unsinn vorstellen; für mich ist er eine 'Psychologische Erkenntnistheorie'.

W.F.


Offenbar hat der manchmal unsägliche Spaßvogel Heidegger etliche Gedanken aus "Sein und Zeit" der Buddhistischen Philosophie entlehnt.

W.F.


Leider kann sich echte Spiritualität nur ab einer gewissen Anzahl funktionierender Synapsenverbindungen entwickeln.

W.F.


Die Indianer sagen: "Der Mensch wird jeden Tag neu geboren."

Doch wann wird es der Große Manitou endlich mal schaffen, so eine Reinkarnation vernünftig hinzukriegen?

W.F.


das gewicht der worte

Manche Worte, die länger in einem rumliegen, können mit der Zeit ein ganz schönes Gewicht bekommen. Grad die vermeintlich kleinen Teile, auf die man ja immer wieder beisst, wenn die Seele kein ausreichend anderes Futter hat. Manchmal entpuppen sich Worte, die man eigentlich schon versenkt geglaubt hatte, als giftige Nachtmahre, die keine Ruhe geben, manchmal als Streichler, die Illusionen von Nähe und Offenheit längst vergangener Tage wieder wachrufen. Und das ist das Gefährliche an dem "beiläufigen" Liegenlassen von Worten: Du, Sprecher, Schreiber, weißt nicht, was du damit bei anderen anrichtest...

W.F.


Wenn du jemand in gefährliche geistige Gewässer mitnimmst, musst du auch bereit sein, ihm im Notfall wieder heraus zu helfen.

W.F.

Leser-Kommentar:
Ganz entzückt bin ich von diesem prosozialen Gedanken des W.F.
Nur können sicher Wenige in solch eine Gefahr gelangen.

F.B.


Ein guter Aphorismus ist wie ein feiner Schachzug, an dem der Gegner lang zu knabbern hat.

W.F.


Wenn ein Sprüchlein "politisch korrekt" ist, handelt es sich nicht um einen Aphorismus, sondern bestenfalls um einen Eintrag für's Poesiealbum.

W.F.


Manch Einer hat im Leben nichts zu lachen. Weil er den Witz nicht versteht.

W.F.

Variante:
Du hast nichts zu lachen? Dann schweb' mal über dir und schau dir einfach zu...

W.F.


Viele Probleme lösen sich auf, wenn man sich selber nicht mehr so wichtig, dafür aber ernst nimmt.

W.F.


Solange wir in einer Gesellschaft leben, in der ein aufgeblasener Ministerialdirektor mehr Ansehen geniesst als ein kreativer Jazzmusiker, kannst du dich nur mit Hopfen & Malz dem Wahnsinn entziehen...

W.F.


Die grössten Stinker sind die, die allerorts ihre privaten Scheisshäuflein absetzen und nach dem Abkacken nicht mal mehr wissen, wo...

W.F.


Und nichts ist einfacher, als sich selber ins Gehirn zu scheißen.

W.F.


Und doch findet sich im Literarischen Breitensport der Poetry-Slams ab und an ein Vorhallen geahnter Tiefe.

W.F.


Wenn ein Satz mehr als sechs Worte oder ein Komma beinhaltet, sind 90% deiner Zuhörer nicht mehr dabei.

W.F.


Fasching ist immer und überal

Eigentlich bräuchten sich die Meisten auf diesen humorlosen Kleingeistertümeleien nicht zusätzlich saufend entblöden um ihre wahre Gesinnung zu zeigen - für Pappnasen ist der Fasching immer und überall...

W.F.


Wenn's bei Einem im Fussballspielen nur zur Kreisliga reicht, akzeptiert er das irgendwann - aber im Denken?

W.F.


Entschuldige bitte, daß ich dich bis vor Kurzem überschätzt habe.

W.F.


Wer versucht, in einem Disput Überblick zu behalten, gilt gemeinhin als arrogant.

W.F.


Wenn dein Gesprächspartner dir nicht folgen konnte, heißt das noch lange nicht, dass du Schmarrn gequasselt hast.

W.F.


Wer bei einer Bank, einer Versicherung oder in einer öffentlichen Behörde arbeitet, bringt á priori die besten Voraussetzungen für unethisches Handeln mit.

W.F.


Philosophie ist per se agnostisch.

W.F.


Praktizierter Buddhismus ist die Meta-Suchmaschine der Philosophie.

W.F.


Zur (langsamen) Heilung der von jedermann durchlittenen "Narzisstischen Kränkungen" reicht der Buddhismus viel tiefer und klarer an die Ursachen als Freud oder die moderne Psychoanalyse.

W.F.


Das 'Nirvana', in dem das Wechselspiel der Hormone und Stimmungen dem Gleichmut weichen soll, ist ein dem Menschsein widernatürlicher Zustand.

W.F.


Eine interessante Karma-Folge von Gautama's Wirken war die Enstehung der Stoa. Erstaunlicherweise wird Epiktet bei den Reinkarnationen nicht mitgezählt...

W.F.


Wer die Schärfe der Dialektik nicht liebt, wird die Kerne der menschlichen Angelegenheiten unter all dem rhetorischen Laub nicht entdecken.

W.F.


Die Meisten stolpern schon, wenn sie eine scheinbar hürdenlose 20m-Schmalspurbahn zu durchlaufen versuchen.

W.F.


Die Menschen unterscheiden sich durch nichts so sehr
wie durch die Art ihres Humors.

W.F.


Der ist schon ein einmaliger Humorist,
der die eigenen Witze
als einziger versteht.

W.F.


Ignoranten kann man nicht ignorieren, weil Ignoranz die Nichtbeachtung gar nicht bemerkt.

W.F.


Mit einem Ignoranten disputieren wollen ist wie der Versuch, unter Wasser mit einer Hand ein Stück Seife zu fangen oder ein Nilpferd mit einem Schulterwurf flachzulegen.

W.F.


Beim Versuch der Feststellung, wie Worte gewichtet werden, sollte man dran denken, dass alle Menschen unterschiedlich geeichte Waagen haben.

W.F.


Daß Gänse schnattern, gehört zu ihren natürlichen Verhaltensweisen.
Vorsicht aber, wenn sie anfangen zu quaken.

W.F.


Die Produktivität der Maschinenhände und -hirne wird die menschenmögliche Körper- uind Geistesarbeit bald um ein Vielfaches übertreffen; die letzten menschen(un)würdigen Tätigkeiten werden sich also auf bewegungs-logistische Abläufe wie Müllabfuhr, Bier trinken, Ficken und Selbstverbrennung beschränken.

W.F.


Typologie I
(den Vorurteilen zuliebe)

Den meisten Menschen, mit denen wir zufällig oder aus äusserer Lebensnotwendigkeit in Kontakt treten, sehen wir schon an (bevor sie auch nur ein Wort an uns richten), über WAS und vor Allem wie sie Schwätzen werden.
Genauer: Wovon und wie sie nicht REDEN werden (können).
Es gibt eben diese Hinweise in der Physiognomie von Mimik und Gestik: Das Starre, Langsame, in der eigenen Trägheit Verhaftete.

Typologie II
(den Erduldern zuliebe)

Er hatte immer und auf Alles sofort eine Antwort parat; eine retournierende, vertuschende, lächerlich machen wollende, geistige Beweglichkeit vortäuschende.
Aus einem uns unbekannten Zwang zur Erheischung des Beifalls Zuhörender musste er ständig Ketten von Wörtern aus seinem Mund schleudern. Damit er unangreifbar blieb (auch für sich selbst), sprach er schneller als er dachte.

W.F.


Er hatte ständig so gute Ideen, daß er vor lauter Euphorie Magenschmerzen bekam. Und so lag er denn ständig, sich krümmend im Bett, unfähig zu Irgendwas.

W.F.


Herr B. ging spazieren und sah einen Mann, der anscheinend verletzt oder betrunken in einer Pfütze lag.
"Leute gibt's!", empörte sich B., schüttelte den Kopf und ging beschleunigten Schritts weiter.

W.F.


Das stille Wasser gründete so tief, weil es überhaupt keinen Boden hatte...

W.F.


Tritt nur kräftig genug auf den nicht erfüllten Erwartungen deines Lebens herum!
Dann kelterst du daraus - Gelassenheit.

W.F.


Wenn du zufrieden bist, beginnt das Altern.

W.F.


'Denken ist Glücksache', meinte das Gehirn und würfelte weiter.

W.F.


Auf dem schmalen Trampelpfad durch die Fragen der Menschheit versuchen manche mit Bulldozern zu fahren.

W.F.


Über's Malen

Die meisten Menschen beschäftigen sich Zeit ihres Lebens mit der Errichtung des Rahmens, statt mit ihrem Bild zu beginnen.

W.F.


am Stammtisch (in memoriam Ludwig Hohl)

Wer an einem Stammtisch schwatzt und dadurch das beifällige Nicken derer erheischt, bewegt - Nichts!

Variante I:

Fünf Maß am Stammtisch
und Witze reißen,
daß sich die Balken biegen
in ihren Hirnen.

Variante II:

Die Leichtfertigkeit seiner Worte
wuchert beifallserheischend
aus der Beschwerlickeit seines Denkens.

Variante III:

Er ist kein guter Redner, aber leider ein noch schlechterer Zuhörer.

Variante IV:

Es gibt einfach viel zu Viele, die glauben, dass sie, nur weil sie sprechen können, auch etwas zu sagen haben.

W.F.


Maßstäbe
(frei nach Lichtenberg)

Wie mit der Musik, Literatur, Kunst und dem Witz ergeht es manchem bei jeder Art der Kommunikation:
Je mehr man sich klaren Sinnes damit beschäftigt, desto feinere und subtilere Verhältnisse verlangt man.

W.F.


Er war schon wieder ganz in Gedanken -
nur die nicht bei ihm.

W.F.


"Laß' uns endlich diese überflüssige Diskussion über den Sinn des Lebens beenden!", sprach die Katze zur Maus und fraß sie auf.

W.F.


Manche Menschen fordern nicht einmal mehr zum Spott heraus.

W.F.


Gute Unterhaltung ist, wenn für die Entwicklung von Hirn & Herz Unterhalt geleistet wird.

W.F.


Grübeln ohne Tat ist wie eine Komposition, die kein Mensch je zu Gehör kriegt.

W.F.


So saß er denn und sinnierte, harrend der Göttlichen Eingebung.
Als aber, nach längerem Harren, sich diese nicht einstellen wollte, begab er sich fort zum Zweck der Zerstreuung.
Und siehe, bei seiner Rückkehr fand er die Göttliche Eingebung vor - nur leider völlig zerstreut.

W.F.


Religionslehrer, gleich welcher Fraktion, sind per se potentielle Kinder-ins-Gehirn-Scheißer.

W.F.


Evolution

In jungen Jahren ist man ja eher optimistisch, was den Fortgang der Evolution angeht (sonst käme einem ja der Kinderzeugungsgedanke und die damit verbundenen schweißtreibenden Umstände ziemlich lächerlich vor).
So dachte ich auch noch im zarten Alter von 40, daß nur 90% der Mitvegetierenden ihr baldiges Lebensende herbeisehnen oder herbeiführen sollten.
Inzwischen glaube ich aber, daß sich 98% schnell vom Acker machen sollten, um Gottes Versuch, wieder zu sich selbst zu finden, nicht zu stören...

W.F.


Hab' lieber eine Audienz mit mir selber als eine beim Papst.

W.F.


Er war schon wieder ganz in Gedanken
- nur die nicht bei ihm.

W.F.


Wie auch nur die Stämme der Bäume zur Errichtung eines Blockhauses verwendet werden, kann nicht jede Verästelung deines Denkens zur Tat führen.

W.F.


Manche prahlen, sie seien ohne Umwege ans Ziel gekommen.
Wo es doch gerade auf den Umwegen am Meisten zu entdecken gibt...

W.F.


Er kannte seine Fehler und deshalb verfehlte er sie nie.

W.F.


mal ehrlich...
Kennen Sie jemand, sich selbst eingeschlossen, dem Sie geistige Gesundheit attestieren würden? Jemand, der frei ist von narzisstischem Dünkel, egomanischen Weltinterpretationen, gen-egoistischen Triebsteuerungen und manipulativen Machtphantasien - dabei gleichzeitig mit Achtsamkeit, Gelassenheit und einem Höchstmaß an Bildung und Intelligenz vorausschauend und vernetzt zu denken, zu sprechen und zu handeln vermag?

W.F.


Der Rapper rührt kein Mikro mehr an, der einmal der 1938er Heinz Erhard gehört hat.

W.F.


In der Thera

Daß der Weg das Ziel sein soll, bestreite ich ja gar nicht.
Wenn er aber nur durch Erdtunnel und klamme Grotten führt, wo selbst die Vorstellung von Licht irgendwann schwindet und mangels Reizen die Erblindung droht, bist du schon ob des Exkrementengestanks von Fledermäusen froh.

W.F.


Ein Ziel bei AA-Meetings ist, deren Gruppenmitglieder durch die Akzeptanz bestehender gesellschaftlicher Verhältnisse wieder zu "Vollwertigen" und von der Gesellschaft so akzeptierten, weil niveau-gleichen, Mitgliedern zu machen.
Na denn Prost!

W.F.


Typische Suchtverlagerung - jetzt heißen meine Drogenkumpels halt Kant, Nietzsche, Heidegger...

W.F.


Nüchternheit

Wenn sich nach einer gewissen Zeit die Wahrnehmung klärt erkennst du, wie hoch die anderen Vögel fliegen und wo du selber deine Kreise ziehst.
Und warst du wirklich einst ein flügellahmer Adler, kannst du sie nun in ungeahnte Höhen schrauben.

W.F.


Zu einer medizinischen und therapeutischen Ausstiegshilfe gehört nicht nur Einsicht, sondern auch die "Gnade", sein Welt- und Selbstbild anders und neu aurichten zu können.

W.F.


Wenn der trockene Alki das Ziel gedanklicher Klarheit hat, ist die Semantik der Sprache ein Teil davon.

W.F.


Am Rand der Schüssel Welt sitzen und sich zurücklehnen, mag ja zwischendurch ganz inspirierend sein. Nur ist schon mancher dabei wegen einer morschen Lehne rücklings gepurzelt.

W.F.


Intelligenz ist ein Vor- oder Nachteil, aber kein Verdienst.

W.F.


Es ist kein Fehler, manchmal Fehler zu machen.

W.F.


Wenn einer bekommt, was ihm zusteht, so ist das recht und billig (wie im Supermarkt).
Doch wer bestimmt, was einem zusteht?

W.F.


Warnung

Die Lacher knüpft der Stolperclown
baumelnd an die Narrenkappe:

sie geh'n ihm in die Falle,
wenn sie auf seiner Seite steh'n.

W.F.


Kunst hat immer beides: eigentherapeutischen Nutzen und karmaintensive Weltwirkung.

W.F.


Das ganze Leben ist ein Aphorismus, den nur der GROSSE WITZEMACHER selber versteht.

W.F.


Und ich?...

Frägt mich jemand, welcher Arbeit ich denn so nachgehe, antworte ich meistens:
"Edelstahlhaken in die morsche Zeit schlagen!"

W.F.





Autoreninfo    Aphorismen Übersicht     Schnipsel-Hauptseite      Seitenanfang pfeil_rot

 

 

 



© media animati.gif 4ways