Schnipsel

Der Kobold QuoddlDoddl


Auf dem Dachboden eines kleinen alten Hauses wohnte der Kobold Quoddldoddl. Er war ein ziemlich kleiner Kobold, von Kopf bis Fuß gemessen etwa so lang wie ein Esslöffel.

Sein Bettchen stand hoch oben auf einem Dachbalken, so dass man es von unten nicht sehen konnte. Und die Menschenfamilie, die in dem Haus lebte, hatte den Kobold noch nie gesehen, ja sie ahnte nicht einmal etwas von ihm.
Sogar wenn er nachts auf dem Dachboden herumtobte und lärmte, sagte die Mutter zu ihren Kindern: "Hört nur, wie der Wind wieder im Dachgebälk knarrzt!"
Quoddldoddl hatte, wie alle Kobolde, ein paar ganz besondere Fähigkeiten.
Wenn er den Atem anhielt, wurde er unsichtbar. Allerdings nicht völlig, denn vom Luftanhalten bekam er eine rote Nase, die dann einfach nicht verschwinden wollte. Außerdem verstand der Kobold die Sprache aller Tiere.
Und wie alle Kobolde hatte auch er nur Unfug im Sinn.
Im Übrigen nannen ihn seine Freunde der Einfachkeit halber nur "Quoddl".

1. Streich: Den Mond einfangen

Einer von Quoddls Freunden war der faule schwarze Kater Quasimodo. Der konnte zwar einen furchterregenden Buckel machen, aber keiner Fliege, geschweige denn einer Maus, etwas zuleide tun.
Er war ein sehr hübscher Kater, dem die Katzendamen aus der Strasse ständig hinterher miauten, aber besonders schlau war er nicht.
Der Einfachkeit halber nannten ihn seine Freunde nur "Quasi".

Eines Abends zupfte Quoddl den dösenden Quasi an seinen Schnurrhaaren und flüsterte ihm ins Ohr:
"Hey, du Faulenzer! Komm, steh auf. Heute hängt der Vollmond direkt über unserem Hausdach. Den fangen wir uns ein!"

Und flugs setzte sich der Kobold auf den Rücken des Katers und liess sich von ihm die Treppen zum Dachboden hinauftragen.
Dort kletterten die beiden durch eine Dachluke und hockten sich an den Schornstein.

Sie sahen direkt über sich den leuchtend gelben Mond am Nachthimmel hängen, er schien zum Greifen nahe.
Quoddl stupste Quasi in die Seite und sagte:
"Komm Alter, hol dir die Kugel!"


Der Kater richtete sich auf seinen Hinterbeinen auf und grabschte mit seinen Tatzen nach dem Mond. Er machte sich so lang wie es ging und begann gar zu hüpfen so hoch wie er nur konnte, so dass der Kobold über diese komischen Verrenkungen zu kichern begann.

Nach einer Weile aber meinte Quoddl: "Hör auf, Quasi, so geht das nicht. Ich hab eine bessere Idee."
Und er flitzte in den Dachboden zurück.

Als Quoddl wiederkam, schleppte er ein leeres Marmeladenglas und einen kleinen runden Spiegel mit aufs Dach.
Den Spiegel legte er in das Glas und stellte es auf.

"Schau hinein!", rief der Kobold und der Kater staunte nicht schlecht, als er da im Marmeladenglas die Mondscheibe leuchten sah.
"So, jetzt haben wir ihn!", frohlockte Quoddl, "ich hole schnell noch einen Deckel und du passt auf, dass er uns nicht entwischt, klar?"

Quasi nickte, denn dieser Aufgabe fühlte er sich gewachsen. Er hockte sich vor das Glas und liess den Mond da drin nicht aus den Augen.



Quoddl aber versteckte sich hinter dem Schornstein und beobachtete grinsend den dummen Kater, wie der da vor dem Glas saß und hinein glotzte.

Und es dauerte nicht lange, dann schob sich eine große Wolke vor den Mond am Himmel und das Spiegelbild erlosch.

Quasi erschrak und besah das Marmeladenglas von allen Seiten.

Er untersuchte den Spiegel und den Boden des Glases. Aber er fand kein Loch, durch das der Mond entwischt sein könnte.

Da begann der Kater zu jammern: "O je, was wird denn Quoddl dazu sagen! Er wird mich schimpfen, weil ich nicht aufgepasst habe. Au weia!"



Jetzt konnte Quoddl hinter dem Schornstein sein Lachen nicht mehr zurückhalten.
Da merkte Quasi, dass der Kobold ihm nur einen Streich gespielt hatte. Er knurrte beleidigt und schlich davon.

Quoddl aber hockte noch lange auf dem Dach und lachte.

Und als die große Wolke weiter gezogen war, leuchtete der Vollmond strahlend wie zuvor.
Mit einem breiten Grinsen im runden Gesicht.

 


Autoren: Werner Friebel mit Sohn Fabian

Illustrationen: Andreas Walter

Dieser und andere Streiche vom Kobold Quoddldoddl und seinen Freunden entstanden vor vielen Jahren als gemeinsame "Gute-Nacht-Improvisationen" von Werner Friebel und seinem damals sechsjährigen Sohn Fabian abends im Bett vor dem Einschlafen...
Die Illustrationen stammen von dem Augsburger Graphiker und Cartoonisten Andi Walter.


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(Die Geschichte wurde auch in rein graphischem Layout hier bei "toonpool" veröffentlicht.)

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